Die geotechnische Erkundung in Halle (Saale) steht vor einer besonderen Herausforderung: dem halleschen Porphyr-Komplex. Dieses vulkanische Gestein aus dem Perm prägt den Untergrund der rund 240.000 Einwohner zählenden Stadt und erzeugt Verwitterungsböden mit stark variierenden Kornverteilungen. Von den tonig-schluffigen Zersatzprodukten in den Talauen der Saale bis zu sandig-kiesigen Hangschuttdecken reicht das Spektrum – eine exakte Korngrößenanalyse ist hier kein Routineakt, sondern die Grundlage jeder belastbaren Baugrundbeurteilung. Unser Labor führt die kombinierte Analyse aus Trockensiebung und Aräometerverfahren gemäß DIN EN ISO 17892-4:2017 durch und liefert die Körnungslinie, die Tragfähigkeitsklassen und Frostempfindlichkeitszonen erst bestimmbar macht. Für komplexe Baugrundverhältnisse ergänzen wir die Analyse durch den Plattendruckversuch zur direkten Prüfung des Verformungsmoduls vor Ort.
Die Körnungslinie entscheidet über Frostempfindlichkeit, Verdichtbarkeit und Wasserdurchlässigkeit – drei Parameter, die in den wechselhaften Saaleauen über Bauwerksschäden oder Langlebigkeit bestimmen.
Arbeitsumfang in Halle

Kritische Bodenfaktoren in Halle
Halle liegt im Regenschatten des Harzes – die jährliche Niederschlagsmenge von nur 470 mm täuscht über die tatsächliche geotechnische Komplexität hinweg. Die entscheidende Größe ist nicht die Menge, sondern die Konzentration: Sommergewitter mit Starkregenereignissen über 25 l/m² in 30 Minuten führen zu raschen Wasserstandsschwankungen in den bindigen Auelehmen. Eine fehlerhafte Korngrößenanalyse, die den Feinkornanteil unter 0,063 mm unterschätzt, produziert eine falsche Frostempfindlichkeitseinstufung. Die Folge sind Eislinsenbildungen unter Verkehrsflächen und Frosthebungen von bis zu 15 cm in strengen Wintern – in Halle mit durchschnittlich 65 Frosttagen pro Jahr ein reales Risiko. Noch gravierender: Eine übersehene Ausfilterungsgefahr bei hydraulischen Gradienten über 5 in wechselgelagerten Sand-Schluff-Wechselfolgen kann zur inneren Erosion in Dämmen und Baugrubenumschließungen führen.
Unsere Leistungen
Die Korngrößenanalyse steht selten allein. In Halle begleiten wir die Sieb- und Hydrometeranalyse mit ergänzenden Labor- und Feldversuchen, die das geotechnische Bild vervollständigen und die Klassifikation absichern.
Kombinierte Sieb- und Hydrometeranalyse
Vollständige Körnungslinie von 0,002 mm bis 63 mm. Inklusive Bestimmung der Ungleichförmigkeitszahl Cu, der Krümmungszahl Cc, der Frostempfindlichkeitsklasse nach ZTV E-StB und der Bodengruppe nach DIN 18196. Ausgabe als Diagramm und tabellarisch im Baugrundgutachten. Für grobkörnige Kiese mit Größtkorn über 63 mm bieten wir die Erweiterung auf 125 mm an.
Laborbegleitprogramm mit Atterberg-Grenzen und Wassergehalt
Ergänzung der Körnungslinie durch Bestimmung der Fließ- und Ausrollgrenze nach DIN 18122 sowie des natürlichen Wassergehalts nach DIN 18121. Dieses Paket ist in Halle besonders relevant: Die Auelehme mit Tongehalten zwischen 15–40 % zeigen plastische Eigenschaften, die allein aus der Kornverteilung nicht ablesbar sind. Wir klassifizieren den Boden vollständig nach DIN 18196 und liefern die Kennwerte für Setzungs- und Standsicherheitsberechnungen.
Häufig gestellte Fragen
Was kostet eine Korngrößenanalyse nach DIN EN ISO 17892-4 in Halle?
Die kombinierte Sieb- und Hydrometeranalyse liegt in Halle je nach Probenanzahl und Aufbereitungsaufwand zwischen €90 und €190 pro Probe. Bei homogenen Sand-Kies-Gemischen ohne Feinkornanteil ist nur die Siebung erforderlich – diese liegt am unteren Ende des Rahmens. Bindige Böden mit hohem Tonanteil erfordern die vollständige Aräometeranalyse und liegen im oberen Bereich. Serienaufträge ab 5 Proben erhalten einen Mengenrabatt.
Warum ist in Halle eine Hydrometeranalyse zusätzlich zur Siebung nötig?
Die Saaleaue um Halle enthält verbreitet Auelehme mit Feinkornanteilen unter 0,063 mm, die durch Siebung allein nicht differenzierbar sind. Die Hydrometeranalyse trennt Schluff- von Tonfraktionen und ist für die Frostklassifikation (F2/F3) sowie die Einschätzung der Plastizität zwingend erforderlich. Ohne diesen Schritt bleibt die Bodengruppe nach DIN 18196 ungenau – mit potenziellen Fehleinschätzungen bei Setzungsprognosen und Verdichtbarkeit.
Welche Bodenklassen nach DIN 18300 ergeben sich aus der Korngrößenanalyse?
Die DIN 18300:2019-09 unterscheidet Bodenklassen 1 (Oberboden) bis 7 (schwer lösbarer Fels). Die Korngrößenanalyse klassifiziert die Lockergesteine der Klassen 2 bis 5: Fließfähige Böden (Klasse 2), leicht lösbare Böden (Klasse 3), mittelschwer lösbare Böden (Klasse 4) und schwer lösbare Böden (Klasse 5). In Halle treffen wir typischerweise auf Auelehm (Klasse 4) und verwitterten Porphyr (Klasse 5–6).
Wie lange dauert eine komplette Korngrößenanalyse im Labor?
Die reine Siebung dauert 1–2 Arbeitstage. Die Aräometeranalyse benötigt wegen der Sedimentationszeiten nach Stokes mindestens 24 Stunden, bei tonreichen Proben bis zu 72 Stunden. Inklusive Probenvorbereitung, Trocknung bei 105°C, Auswertung und Berichtserstellung rechnen wir mit einer Gesamtbearbeitungszeit von 4–7 Werktagen. Eilaufträge mit 48-Stunden-Frist sind gegen Zuschlag möglich.