Die Stadtentwicklung Halles ist tief mit der Geologie des Saaletals verwoben. Schon die historische Altstadt entstand auf dem Porphyrfels, während sich die gründerzeitlichen Viertel auf die weicheren Auenlehme der Saaleterrassen ausdehnten. Heute, bei der Nachverdichtung von Brachflächen oder der Sicherung von Baugruben in den Hanglagen von Kröllwitz und Giebichenstein, stößt man unweigerlich auf diese heterogenen Untergrundverhältnisse. Hier kommt die präzise Bemessung von aktiven und passiven Verankerungen ins Spiel – sei es für einen temporären Verbau oder eine dauerhafte Hangsicherung. Wir kombinieren dabei die lokale Bohrerfahrung mit den Anforderungen der DIN EN 1997-1:2014, um für jeden Bauzustand die passende Vorspannkraft und freie Stahllänge festzulegen. Ein CPT-Versuch liefert uns dafür oft das durchgängige Schichtprofil, das wir für die Modellierung der Mantelreibung brauchen.
Die Herausforderung in Halle ist der Wechsel von tragfähigem Saalekies zu setzungsempfindlichem Auelehm auf kürzester Distanz – das verlangt eine Ankerbemessung, die nicht nach Tabellenbuch, sondern nach Baugrubenlogik funktioniert.
Arbeitsumfang in Halle

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Kritische Bodenfaktoren in Halle
Halle liegt im Regenschatten des Harzes, was mit nur rund 480 mm Jahresniederschlag ein vermeintlich trockenes Bauklima bedeutet. Doch genau diese Trockenheit täuscht: Die Saale führt ganzjährig Wasser, und in den grundwasserführenden Saalekiesen der Niederterrasse stehen die Ankerköpfe oft im Sickerwasserbereich. Kommt dann nach langer Trockenheit ein Starkregenereignis, steigt der Porenwasserdruck in den bindigen Deckschichten sprunghaft an – die effektive Spannung um den Verpresskörper sackt ab. Wir berücksichtigen das in der Bemessung, indem wir die Ankerkraft für den Lastfall 'plötzliche Grundwassersättigung' ansetzen und den Kriechweg über die gesamte Nutzungsdauer mit einem konservativen k_s-Wert überwachen. Ein weiterer kritischer Punkt im Stadtgebiet sind die alten Braunkohletiefbaurelikte im östlichen Umland. Wo der Untergrund durch alte Stollen aufgelockert ist, muss die Verpressstrecke so tief gesetzt werden, dass sie im ungestörten Gebirge liegt – sonst ist die Standsicherheit der gesamten Hangsicherung fraglich.
Unsere Leistungen
Unsere geotechnische Beratung deckt den gesamten Lebenszyklus eines Ankersystems ab – von der ersten Machbarkeitsstudie bis zur letzten Abnahmeprüfung. In Halle konzentrieren wir uns auf folgende Leistungen:
Bemessung aktiver Litzen- und Stabanker
Projektbezogene Festlegung der Vorspannkraft P_0, der freien Stahllänge und des Verpresskörperdurchmessers nach DIN EN 1537. Inklusive rechnerischem Nachweis der inneren und äußeren Standsicherheit für den Grenzzustand GEO-2. Wir unterscheiden strikt zwischen temporären Ankern für den Baugrubenverbau und Dauerankern für Hangsicherungen an der B 80 oder der Hochuferstraße.
Überwachung und Prüfung vor Ort
Durchführung von Eignungs- und Abnahmeprüfungen gemäß DIN EN 1537, Anhang B. Mittels elektronischer Wegaufnehmer und kalibrierter Hydraulikpressen dokumentieren wir das Kraft-Weg-Diagramm jedes einzelnen Ankers. Die Auswertung des Kriechmaßes k_s und der scheinbaren freien Stahllänge erfolgt direkt auf der Baustelle, um bei Abweichungen sofort nachregulieren zu können.
Häufig gestellte Fragen
Wie tief werden die Anker in den Saalekiesen von Halle normalerweise gesetzt?
Das hängt von der Lage der Kiesoberkante ab. In den mittleren Terrassenlagen bei Kröllwitz steht der Kies oft schon ab 6 bis 8 Metern Tiefe an. Die Verpressstrecke legen wir dann so, dass sie vollständig im gewachsenen, gut abgestuften Kies liegt – meist auf 3 bis 5 Metern Länge. In den tieferen Auenbereichen nahe der Altstadt müssen wir dagegen oft 12 bis 15 Meter durchteufen, bis wir den tragfähigen Horizont erreichen.
Mit welchen Kosten muss ich für die Bemessung einer Ankerlage rechnen?
Für die reine geotechnische Bemessung einer Ankerlage inklusive statischer Nachweise nach DIN EN 1997-1 liegen die Honorarkosten je nach Umfang zwischen etwa 850 und 3.170 Euro. Die exakte Summe hängt von der Anzahl der Ankerlagen, den erforderlichen Prüfprotokollen und dem Aufwand für die begleitende geologische Baubegleitung ab. Die Ausführungskosten der Bohrarbeiten sind darin nicht enthalten.
Wie wird die Dauerhaftigkeit von Dauerankern in der Umgebung von Halle sichergestellt?
Daueranker müssen die Anforderungsklasse K1 nach DIN EN 1537 erfüllen – das bedeutet ein Kriechmaß k_s von maximal 2,0 Millimetern während der Prüfung. Der Korrosionsschutz erfolgt über eine doppelte Verrohrung mit Zementsteinummantelung und Wellmantelrohr. In Halle ist zudem die chemische Zusammensetzung des Grundwassers zu beachten: Das Saalewasser kann sulfathaltig sein, weshalb wir bei der Zementsteinrezeptur auf einen hohen Sulfatwiderstand (HS-Zement) achten.